Gedanken & Analysen

Auf dieser Seite finden sich Analysen, Recherchen und Gedanken zu Entwicklungen in Goslar und der Region. Im Mittelpunkt stehen langfristige Veränderungen, gesellschaftliche Zusammenhänge, Stadtentwicklung, Verwaltung, Infrastruktur sowie die Frage, wie sich politische und wirtschaftliche Entscheidungen auf das tägliche Leben auswirken. Ziel ist nicht die schnelle Nachricht, sondern die Einordnung von Themen, die Goslar heute und in Zukunft prägen.

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    Ein Fall, der mehr sagt als jede Debatte

    Kurzfassung:
    Anhand eines konkreten Sanierungsfalls aus Goslar zeigt der Beitrag, wie komplex das Zusammenspiel von Denkmalschutz, Fördermitteln und Genehmigungsverfahren sein kann und welche Risiken dadurch für Eigentümer entstehen.

    Aktuelles

    Ein aktueller Bericht der Goslarschen Zeitung zeigt einen Fall, der auf den ersten Blick wie ein Einzelfall wirkt – und genau deshalb so aufschlussreich ist.
    https://www.goslarsche.de/lokales/goslar-denkmalschutz-streit-foerdermittel-sanierung-fachwerkhaus-733665.html

    Ein Eigentümer in Goslar saniert ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus.
    Er plant, stimmt sich ab, investiert, baut.

    Und am Ende?
    👉 Die Förderung wird verweigert.
    👉 Der Grund: Abweichungen vom genehmigten Plan.

    Der Fall steht dabei nicht allein, sondern verweist auf ein grundsätzlicheres Problem bei Investitionen in denkmalgeschützte Gebäude.

    Die Fakten – nüchtern betrachtet

    • Fördermittel: rund 21.000 Euro
    • Problem: Denkmalschutz erkennt die Sanierung nicht an
    • Begründung: Vorgaben nicht exakt eingehalten

    Die Lösung laut System:
    👉 Nachbessern.

    Kostenpunkt laut Eigentümer:
    👉 bis zu 100.000 Euro

    Jetzt wird es absurd

    Für 21.000 Euro Förderung sollen Maßnahmen umgesetzt werden, die ein Vielfaches kosten.

    Das ist kein bürokratisches Detail mehr.
    Das ist ein wirtschaftlicher Totalschaden.

    Der entscheidende Punkt, über den keiner spricht

    Der Eigentümer beruft sich auf mündliche Absprachen.

    Die Stadt sagt:

    👉 zählt nicht
    👉 nur schriftliche Genehmigungen gelten

    Formal korrekt? Ja.
    Praxisnah? Nein.

    Denn die Realität ist:

    • Baustellen verändern sich
    • Lösungen entstehen vor Ort
    • nicht alles passt in einen Antrag

    Und genau hier kollidiert Theorie mit Realität.

    Was hier wirklich passiert

    Dieser Fall zeigt ein strukturelles Problem:
    👉 Das System belohnt nicht funktionierende Lösungen
    👉 Es belohnt nur perfekte Regelkonformität

    Das Ergebnis:

    • funktionierende Gebäude werden nicht anerkannt
    • sinnvolle Anpassungen werden bestraft
    • wirtschaftlich tragfähige Lösungen werden verhindert

    Und jetzt kommt der gefährlichste Effekt

    Die eigentliche Frage ist nicht:
    👉 „War hier alles korrekt umgesetzt?“

    Sondern:
    👉 „Wer macht das nach diesem Beispiel noch freiwillig?“

    Das Signal an alle Eigentümer

    Dieser Fall sendet eine klare Botschaft:

    • Planung gibt keine Sicherheit
    • Abweichungen können existenzielle Folgen haben
    • Förderung ist nicht verlässlich

    👉 Kurz gesagt:
    Wer investiert, geht ein unkalkulierbares Risiko ein.

    Und genau so entsteht Leerstand

    Nicht durch mangelnden Willen. Sondern durch mangelnde Planbarkeit.
    Wenn sich Investitionen nicht mehr rechnen oder zu riskant sind:

    • wird nicht saniert
    • wird nicht vermietet
    • wird nicht genutzt

    👉 Gebäude bleiben stehen – und werden nicht mehr entwickelt

    Der eigentliche Widerspruch

    Offiziell will man:
    👉 Denkmalschutz stärken
    👉 Altstadt erhalten

    Faktisch passiert:
    👉 Investitionen werden erschwert
    👉 Nutzung wird unsicher
    👉 Entwicklung wird gebremst

    Der unbequemste Satz in diesem Zusammenhang

    Dieses System schützt Gebäude – aber gefährdet ihre Nutzung.

    Was hier fehlt

    Nicht Regeln. Davon gibt es genug.
    Was fehlt:

    • Verhältnismäßigkeit
    • Planungssicherheit
    • wirtschaftliche Realität

    Fazit

    Der Fall ist kein Ausreißer.
    Er ist ein Beispiel.

    Ein Beispiel dafür, was passiert, wenn ein System:
    👉 perfekt gedacht ist
    👉 aber an der Realität scheitert

    Schlussgedanke

    Eine Stadt verliert man nicht durch falsche Entscheidungen.
    Sondern durch Systeme, die niemand mehr bedienen kann.


    Weiterführende Links
    Wenn Schönheit teuer wird: Was UNESCO für unsere Innenstadt wirklich bedeutet
    Denkmalschutz: Wie man Menschen vom Investieren abhält
    Schöne Altstadt, leere Häuser? Wie wir den Denkmalschutz bezahlbar machen können

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    Wenn Schönheit teuer wird: Was UNESCO für unsere Innenstadt wirklich bedeutet

    Kurzfassung:
    Der Erhalt historischer Gebäude bringt oft erhebliche Mehrkosten mit sich. Der Beitrag untersucht die wirtschaftlichen Folgen von UNESCO-Welterbe und Denkmalschutz für Eigentümer, Investitionen und die langfristige Entwicklung der Goslarer Innenstadt.

    Wenn Schönheit ihren Preis hat

    Die Altstadt von Goslar gehört zum UNESCO-Welterbe.
    Das ist ein großer Erfolg – und ein Grund, stolz zu sein.
    Aber: Schönheit hat ihren Preis. Und der zeigt sich nicht nur auf Postkarten.

    Was viele nicht sehen

    Damit historische Gebäude erhalten bleiben, gelten strenge Regeln:

    • Fenster dürfen nicht einfach ausgetauscht werden
    • Fassaden müssen originalgetreu bleiben
    • Umbauten sind oft kompliziert und teuer

    Das führt dazu, dass Sanierungen deutlich mehr kosten als bei normalen Häusern.
    👉 Kurz gesagt: Wer ein Haus in der Altstadt besitzt, zahlt mehr – dauerhaft.

    Was das mit Mieten zu tun hat

    Diese Kosten verschwinden nicht.
    Sie landen – direkt oder indirekt – bei den Mietern.

    • Höhere Sanierungskosten → höhere Mieten
    • Höhere Anforderungen → weniger günstiger Wohnraum
    • Aufwendige Pflege → langfristig steigende Kosten

    Das Ergebnis: Wohnen in der Altstadt wird teurer.

    Und dann passiert etwas Entscheidendes

    Wenn die Preise steigen, verändert sich die Stadt:

    • Menschen mit kleinerem Einkommen ziehen weg
    • Es bleiben eher diejenigen, die sich höhere Mieten leisten können
    • Die soziale Mischung verändert sich

    Das ist kein böser Plan – sondern ein ganz normaler wirtschaftlicher Effekt.

    Aber: Es geht auch in die andere Richtung

    Jetzt wird es spannend.
    Denn es gibt einen Punkt, an dem das System kippt.
    Wenn Gebäude zu teuer werden:

    • investieren Eigentümer weniger
    • Wohnungen werden nicht mehr vermietet
    • Läden schließen, weil sich das Geschäft nicht mehr lohnt

    👉 Statt immer höherer Preise entsteht etwas anderes: Leerstand

    Warum dadurch Investitionen zunehmend unattraktiv werden, wird in einem weiteren Beispiel deutlich.

    Das eigentliche Problem

    Es entsteht kein einfaches „alles wird teurer“.
    Sondern etwas Schwierigeres:

    • einzelne Gebäude werden sehr teuer
    • andere verfallen oder stehen leer
    • die Innenstadt verliert an Leben

    Die Stadt wird gleichzeitig aufgewertet und ausgedünnt.

    Warum das wichtig ist

    Eine funktionierende Innenstadt braucht mehr als schöne Häuser:

    • Menschen, die dort leben
    • Geschäfte, die sich tragen
    • eine Mischung aus Alt und Neu

    Wenn diese Balance verloren geht, wird es kritisch.

    Ein Gedanke zum Schluss

    UNESCO und Denkmalschutz sind wichtig.
    Sie bewahren Geschichte und Identität.
    Aber sie verändern auch die Wirtschaftlichkeit einer Stadt.

    Die eigentliche Frage ist deshalb nicht:
    👉 „Ist das gut oder schlecht?“

    Sondern:
    👉 „Wie schaffen wir es, dass unsere Innenstadt lebendig bleibt – und nicht nur schön aussieht?“

    Fazit in einem Satz

    Schutz kann bewahren – aber ohne Balance kann er auch verdrängen.


    Weiterführende Links
    Goslar Altstadt: UNESCO, Denkmalschutz und steigende Gaspreise – ein wachsendes Problem
    Denkmalschutz: Wie man Menschen vom Investieren abhält
    Schöne Altstadt, leere Häuser? Wie wir den Denkmalschutz bezahlbar machen können

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    Ein Welterbe – zwei Realitäten?

    Kurzfassung

    Die Goslarer Altstadt und der Rammelsberg bilden gemeinsam das UNESCO-Welterbe. Der Beitrag hinterfragt, ob beide Bereiche tatsächlich nach denselben Prinzipien betrachtet werden sollten. Während der Rammelsberg als historisches Zeugnis bewahrt wird, bleibt die Altstadt ein lebendiger Lebensraum, der sich weiterentwickeln muss.

    Warum wir in Goslar möglicherweise einen Denkfehler machen

    Ich habe mich in letzter Zeit intensiver mit dem Welterbe in Goslar beschäftigt. Altstadt und Bergwerk Rammelsberg – gemeinsam ausgezeichnet, gemeinsam gedacht, gemeinsam verwaltet.

    Und genau hier beginnt mein Zweifel.

    Denn je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird: Diese beiden Teile haben eigentlich nichts gemeinsam – zumindest nicht in der Art, wie sie funktionieren.

    Zwei Orte – zwei Logiken

    Der Rammelsberg ist, wenn man ehrlich ist, ein Museum.

    Ein Ort, der nicht mehr genutzt wird wie früher. Ein Ort, der bewahrt wird. Ein Ort, der genau deshalb so funktioniert, weil er nicht mehr Teil des Alltags ist.

    Die Altstadt ist das Gegenteil.

    Sie ist kein Ausstellungsstück. Sie ist ein Lebensraum.

    Menschen wohnen dort. Häuser werden genutzt. Wirtschaft findet statt. Und alles das verändert sich – zwangsläufig.

    Und genau hier entsteht ein Spannungsfeld, das selten sauber benannt wird.

    Der gedankliche Kurzschluss

    Indem wir Altstadt und Bergwerk als ein gemeinsames Welterbe behandeln, entsteht unterschwellig eine Gleichsetzung:

    Was für das Bergwerk gilt, gilt auch für die Altstadt.

    Aber das ist logisch falsch.

    Denn: Ein Museum kann stillstehen. Eine Stadt kann das nicht.

    Wenn man versucht, eine lebendige Altstadt wie ein Museum zu behandeln, passiert etwas Paradoxes: Man schützt sie – indem man sie ihrer Entwicklung beraubt.

    Was schützt die UNESCO wirklich?

    Die UNESCO spricht vom „außergewöhnlichen universellen Wert“.

    Das ist entscheidend.

    Denn dieser Wert ist bei beiden Teilen unterschiedlich begründet:

    • Beim Bergwerk: industrielle Geschichte, Originalzustand, Zeugnis der Vergangenheit
    • Bei der Altstadt: gewachsene Stadtstruktur, Nutzung, Kontinuität über Zeit

    Das bedeutet:

    Der Wert der Altstadt liegt nicht nur im „Wie es aussieht“. Sondern auch darin, dass sie lebt.

    Die eigentliche Konsequenz

    Wenn das stimmt, dann ergibt sich ein unangenehmer Gedanke:

    Eine Altstadt zu stark einzufrieren kann selbst zum Risiko werden.

    Denn:

    • Nutzung wird schwieriger
    • Anpassung wird verhindert
    • Gebäude verlieren Funktion

    Und irgendwann bleibt genau das übrig, was man eigentlich vermeiden wollte:

    Eine schöne Kulisse. Ohne echtes Leben.

    Haben wir falsch gedacht?

    Vielleicht liegt der Fehler nicht in der UNESCO-Auszeichnung selbst.

    Sondern darin, wie wir sie interpretieren.

    Wir behandeln ein stillgelegtes Bergwerk und eine lebendige Stadt, als wären sie denkmalpflegerisch identisch.

    Aber sie sind es nicht. Und sie können es auch nicht sein.

    Ein anderer Blick

    Vielleicht müsste man das Welterbe in Goslar gedanklich trennen – nicht formal, aber funktional:

    • Der Rammelsberg: Schutz durch Bewahrung
    • Die Altstadt: Schutz durch Nutzung und Entwicklung

    Das wäre kein Widerspruch zur UNESCO.

    Im Gegenteil. Es würde den Begriff des „außergewöhnlichen universellen Wertes“ endlich ernst nehmen – statt ihn pauschal anzuwenden.

    Die offene Frage

    Was wäre eigentlich gefährlicher für Goslar?

    Eine Altstadt, die sich vorsichtig weiterentwickelt?
    Oder eine Altstadt, die man wie ein Museum behandelt?

    Vielleicht ist genau das die Frage, die wir bisher nicht gestellt haben.

    Und vielleicht ist es an der Zeit, das nachzuholen.

    Weiterführende Beiträge

    Wenn Stillstand als Schutz verkauft wird
    Goslar Altstadt: UNESCO, Denkmalschutz und steigende Gaspreise – ein wachsendes Problem
    Welterbe Goslar – neu gedacht

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    Wenn Stillstand als Schutz verkauft wird…

    Kurzfassung:
    Der Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, was die UNESCO tatsächlich schützen möchte. Er untersucht, ob der Schutz historischer Werte manchmal mit der Bewahrung bestehender Zustände verwechselt wird und welche Folgen dies für die Entwicklung historischer Städte haben kann.

    Wenn Stillstand als Schutz verkauft wird –
    warum wir das Welterbe gerade falsch verteidigen

    Ich habe mir die UNESCO-Richtlinien angesehen, weil ich verstehen wollte, was in einer Welterbestadt wie Goslar eigentlich erlaubt ist.

    Die Erwartung war klar:
    Viele Verbote.
    Viel „so muss es bleiben“.
    Ein System, das Veränderung grundsätzlich misstraut.

    Das Gegenteil ist der Fall.
    Die UNESCO schützt nicht Gebäude.
    Sie schützt keinen bestimmten Zustand.
    Und sie schützt auch nicht jedes einzelne Material.

    Sie schützt den „außergewöhnlichen universellen Wert“.

    Das ist der zentrale Punkt – und gleichzeitig der, der in der Praxis am häufigsten ignoriert wird. Denn dieser Wert ist das einzige, was wirklich erhalten werden muss.
    Nicht alles, was alt ist, ist automatisch schützenswert.
    Und nicht jede Veränderung ist automatisch ein Problem.

    Gegenargument 1: „Aber Authentizität!“
    Ja. Authentizität ist wichtig.
    Aber Authentizität bedeutet nicht, dass jedes Stück Holz unantastbar ist.

    Sie beschreibt die Nachvollziehbarkeit eines Ortes:
    seine Struktur, seine Wirkung, seine Geschichte.

    Wenn ein Gebäude weiterhin als das erkennbar ist, was es ist –
    dann bleibt es authentisch.

    Wer Authentizität auf Materialtreue reduziert, macht aus einem lebendigen Ort ein Ausstellungsstück.

    Gegenargument 2: „Das gefährdet den Welterbestatus!“
    Auch das klingt dramatischer, als es ist.
    Der Status ist nur dann gefährdet, wenn der außergewöhnliche universelle Wert verloren geht.

    Nicht bei jeder Veränderung.
    Nicht bei jeder Anpassung.
    Sondern nur dann, wenn der Kern zerstört wird.
    Das ist ein entscheidender Unterschied.

    Wer jede Veränderung mit dem Verlust des Status gleichsetzt, arbeitet nicht mit den Regeln – sondern mit Angst.

    Gegenargument 3: „Das haben wir schon immer so gemacht“
    Das ist kein Argument.
    Das ist ein Hinweis darauf, dass niemand mehr prüft, ob die ursprünglichen Annahmen überhaupt noch stimmen.

    Das Welterbe-Übereinkommen selbst ist längst weiter:
    Es fordert ausdrücklich, Schutz und Erhaltung in den Kontext nachhaltiger Entwicklung zu stellen.

    Das bedeutet:
    Stillstand ist nicht das Ziel.
    Integration ist das Ziel.

    Gegenargument 4: „Das Stadtbild darf sich nicht verändern“
    Richtig – aber unvollständig.
    Das Stadtbild ist wichtig, weil es den Wert sichtbar macht.

    Aber auch hier gilt:
    Nicht jede Veränderung zerstört das Stadtbild.
    Und nicht jede Bewahrung erhält es.

    Ein Dach bleibt ein Dach – auch wenn darunter moderne Technik steckt.
    Eine Fassade bleibt eine Fassade – auch wenn Materialien angepasst werden.

    Die Frage ist nicht, ob sich etwas verändert.
    Sondern ob es noch als Teil des Ganzen funktioniert.

    Jetzt zurück nach Goslar.
    Altstadt. Fachwerk. Geschichte.
    Und gleichzeitig: steigende Anforderungen an Energie, Nutzung, Wirtschaftlichkeit.
    Die eigentliche Frage ist nicht, ob sich etwas verändern darf.

    Die eigentliche Frage ist:
    Was passiert, wenn wir uns weigern, etwas zu verändern?

    Ein Gebäude, das energetisch nicht mehr tragfähig ist, wird irgendwann nicht mehr genutzt. Ein Haus, das wirtschaftlich nicht betrieben werden kann, wird irgendwann vernachlässigt. Ein Ort, der nur noch Kulisse ist, verliert seine Funktion.

    Und damit verliert er genau das, was die UNESCO eigentlich schützen will:
    seine Bedeutung für Gegenwart und Zukunft.

    Hier liegt der eigentliche Widerspruch:

    Die UNESCO denkt in Generationen.
    Wir argumentieren in Genehmigungsformularen.

    Die UNESCO schützt Werte.
    Wir verteidigen Zustände.
    Welche Folgen diese Sichtweise in der Praxis haben kann, zeigt sich beispielsweise bei steigenden Energiekosten und schwierigen Sanierungen in der Goslarer Altstadt.

    Und genau das ist das Problem. Denn wenn man die Regeln ernst nimmt, ergibt sich eine ziemlich klare Logik:

    Veränderung ist erlaubt.
    Wertverlust ist nicht erlaubt.

    Alles andere ist Interpretation.
    Und genau diese Interpretation entscheidet darüber, ob Welterbe ein lebendiges Konzept bleibt – oder zu einer Art musealem Stillstand verkommt.

    Vielleicht ist es Zeit, die Diskussion umzudrehen.
    Nicht mehr fragen:
    „Darf man das verändern?“

    Sondern endlich präzise beantworten:
    „Was genau zerstört hier den außergewöhnlichen universellen Wert – und was nicht?“

    Denn solange diese Frage nicht gestellt wird, passiert etwas anderes:
    Wir schützen nicht das Welterbe.
    Wir schützen unsere eigene Bequemlichkeit im Umgang mit Regeln.
    Und das ist das Einzige, was wirklich nicht zukunftsfähig ist.

    Weiterführende Links

    Ein Welterbe – zwei Realitäten?
    Goslar Altstadt: UNESCO, Denkmalschutz und steigende Gaspreise – ein wachsendes Problem
    Wenn Schönheit teuer wird: Was UNESCO für unsere Innenstadt wirklich bedeutet

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    Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz zur Wärmeplanung


    Sehr geehrter Herr Lietz,

    gerne möchte ich Sie zuerst ein Mal auf den Internetauftritt der Stadt Goslar zur Kommunalen Wärmeplanung hinweisen.

    Unter https://www.goslar.de/wirtschafts-und-zukunftsort/stadtentwicklung/kommunale-waermeplanung finden sie bereits einige Informationen.

    Besonders die Unterseite zur Storymap https://storymaps.arcgis.com/stories/d55b651391214cb39acbb979694de462 stellt den aktuellen Arbeitsstand Frühjahr 2026 dar.

    Dort finden Sie die von dem von uns beauftragten Planungsbüro INEV erstellten, kartographischen Darstellungen.

    Wenn Sie mögen, stehe ich Ihnen gerne jederzeit telefonisch zur Verfügung, um über die von Ihnen angesprochenen Punkte zu sprechen.

    Beachten Sie bitte, bei allem berechtigten Interesse Ihrerseits als Anwohner der Altstadt, dass die kommunale Wärmeplanung keine TGA-Planung auf Betrachtungsebene von Einzelgebäuden darstellt, sondern eine strategische Planung mit entsprechender Flughöhe auf Quartiers-/Stadtteilebene ist.

    Die Stadt Goslar kann weder das Niedersächsische Bauordnungsrecht aushebeln, noch sind wir hier mit einer Forschungsabteilung gesegnet, die das Fraunhofer Institut, Technische Universitäten oder ähnliche Institution hinsichtlich innovativer Ideen mal eben auf dem Standstreifen überholen könnten.

    Als Kurzversion zum aktuellen Stand für die Altstadt dazu: Wir befinden uns hinsichtlich möglicher Nach- bzw. Umnutzungen der vorhandenen Gasinfrastruktur der Harzenergie mit ebendiesen dauerhaft im Austausch. Auch das Thema Wasserstoff wird dabei betrachtet, hängt aber von Faktoren ab, auf die wir als Kommune genau so wenig Einfluss haben, wie die Harzenergie als Netzbetreiber.

    Ich würde mich wirklich freuen mit Ihnen vorab erstmal telefonisch in den Austausch zu kommen. Ich bin mir sicher, dass wir dann vielleicht schon einige Punkte aus Ihrem Katalog abhaken können.

    Für die vollumfängliche Übersendung aller von Ihnen geforderten Unterlagen wäre aufgrund des erheblichen Aufwandes eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 16,25€ pro angefangene Viertelstunde fällig.

    Ich würde schätzen, dass ich dafür mindestens 3h benötige, exklusive Anlegen von Übergabeordnern durch unseren IT-Service, da die entsprechende Datenmenge definitiv die Grenze von 100MB überschreiten wird.

    Über eine Rückmeldung zum von Ihrer Seite gewünschten weiteren Vorgehen würde ich mich sehr freuen und verbleibe mit besten Grüßen

    i.A.

    YYY


    Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz
    gestellt am: 16.03.2026


    📧 Betreff

    Antrag nach dem Niedersächsischen Umweltinformationsgesetz (NUIG) – Kommunale Wärmeplanung der Stadt Goslar

    📄 E-Mail-Text

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    als Eigentümer eines Fachwerkhauses in der Goslarer Altstadt stehe ich – wie viele andere Bürgerinnen und Bürger – vor konkreten Entscheidungen zur zukünftigen Wärmeversorgung meines Gebäudes. Aufgrund der baulichen Gegebenheiten historischer Bausubstanz sind energetische Einzelmaßnahmen nur eingeschränkt möglich. Planungssicherheit durch eine transparente kommunale Wärmeplanung ist daher für mich von erheblicher Bedeutung.

    Vor diesem Hintergrund beantrage ich hiermit gemäß dem Niedersächsischen Umweltinformationsgesetz (NUIG) Zugang zu den bei der Stadt Goslar vorhandenen Umweltinformationen zur kommunalen Wärmeplanung.

    Konkret bitte ich um Übermittlung folgender bereits vorhandener Unterlagen:

    • Projekt- und Zeitplan zur Erstellung der kommunalen Wärmeplanung
    • Beauftragtes Planungsbüro einschließlich Leistungsbeschreibung
    • Vorliegende Zwischenberichte, Entwürfe oder Präsentationen
    • Bestands- und Potenzialanalysen (soweit bereits erstellt)
    • Kartenmaterial oder Datengrundlagen zur Wärmeversorgung
    • Beschlussvorlagen, Protokollauszüge oder Ratsunterlagen mit Bezug zur Wärmeplanung
    • Förderanträge, Förderbescheide oder Korrespondenz mit Förderstellen

    Ich bitte ausdrücklich um Übermittlung ausschließlich bereits vorhandener Dokumente. Eine inhaltliche Auswertung oder Neuzusammenstellung ist nicht erforderlich.

    Die Übersendung kann gern elektronisch im PDF-Format per E-Mail erfolgen.

    Sollten Gebühren entstehen, bitte ich vorab um eine konkrete und nachvollziehbare Kostenschätzung mit entsprechender Aufschlüsselung. Bis zu meiner ausdrücklichen Zustimmung bitte ich, keine kostenpflichtigen Maßnahmen zu veranlassen.

    Ich bitte um Mitteilung innerhalb der gesetzlichen Frist gemäß NUIG.

    Mit freundlichen Grüßen

    Oliver Lietz
    Bäckerstrasse 7
    38640 Goslar