Das Gerät ist nur ein Teil der Rechnung
Wenn über eine neue Heizung gesprochen wird, klingt das oft erstaunlich einfach:
Alte Heizung raus. Wärmepumpe rein. Förderung beantragen. Fertig.
So ungefähr funktioniert vermutlich auch eine Küchensanierung in einem Werbeprospekt. In einem alten Fachwerkhaus wird die Sache meistens etwas umfangreicher.
Denn eine Heizung besteht nicht nur aus dem Gerät. Hinzu kommen Planung, Speicher, Rohrleitungen, Elektrik, Montage, hydraulischer Abgleich und möglicherweise größere Heizkörper. Bei einer Pelletheizung kommen unter anderem Lagerraum, Fördersystem und Schornstein hinzu.
Was kostet eine Wärmepumpe?
Eine Ariadne-Untersuchung aus dem Jahr 2024 betrachtete ein modellhaftes Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche und einer Heizleistung von 10 Kilowatt.
Für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe wurden dort Investitionskosten von rund 33.200 Euro angesetzt. In demselben Modell lag eine Pelletheizung mit rund 33.200 Euro fast genau gleichauf. Die Werte umfassen Planung, Kauf und Installation nach der Abgrenzung der Studie.
Das klingt zunächst deutlich günstiger als die Zahlen, die man inzwischen häufig hört. Der Grund ist einfach: Es kommt darauf an, was in der Rechnung enthalten ist.
Eine neuere Ariadne-Auswertung von 2026 untersucht deshalb auch eine Luft-Wasser-Wärmepumpe einschließlich eines teilweisen Austauschs der Heizflächen. Für dasselbe Modellhaus mit 150 Quadratmetern und 10 Kilowatt Heizleistung ergibt sich eine Bandbreite von:
48.300 bis 53.300 Euro.
Die Studie erklärt die großen Unterschiede unter anderem mit dem energetischen Zustand des Hauses, dem vorhandenen Heizsystem, notwendigen hydraulischen Anpassungen und größeren Heizflächen.
Damit haben wir für eine veröffentlichungsfähige Modellrechnung zunächst folgende Größenordnung:
| Variante | Modellhafte Investition |
| Luft-Wasser-Wärmepumpe ohne größere Heizflächenänderung | rund 33.000 € |
| Luft-Wasser-Wärmepumpe mit teilweisem Heizflächentausch | rund 48.000–53.000 € |
| Pelletheizung im Vergleichsmodell | rund 33.000 € |
Das sind keine Angebote für ein bestimmtes Haus in Goslar. Es sind bundesweite Modellwerte. Bei einem größeren Fachwerkhaus, einer höheren Heizlast, schwieriger Aufstellung oder umfangreichen Umbauten kann es teurer werden.
Warum können die Heizkörper so wichtig sein?
Eine Wärmepumpe arbeitet umso günstiger, je weniger heiß sie das Heizungswasser machen muss.
Die Temperatur des Wassers, das von der Heizung zu den Heizkörpern fließt, nennt man Vorlauftemperatur. Reichen an kalten Tagen höchstens 55 Grad Celsius aus, gilt ein Gebäude nach der Definition des Umweltbundesamtes als „Niedertemperatur-ready“. Es ist dann voraussichtlich für einen effizienten Wärmepumpenbetrieb geeignet.
Braucht das Haus dagegen 70 oder 75 Grad, damit die Räume warm werden, gibt es mehrere Möglichkeiten:
- größere Heizkörper,
- Heizkörper mit Lüftern,
- Wand- oder Fußbodenheizungen,
- eine Verringerung der Wärmeverluste,
- oder eine Wärmepumpe, die höhere Temperaturen liefern kann.
Technisch ist einiges möglich. Wirtschaftlich ist nicht alles automatisch klug.
Eine Wärmepumpe ist schließlich kein Zauberkasten, der aus einem dünnwandigen Fachwerkhaus über Nacht einen Neubau macht. Sie kann viel. Mauern verdicken gehört bislang nicht zum Lieferumfang.
Und die Pelletheizung?
Eine Pelletheizung kann in der Regel auch höhere Vorlauftemperaturen liefern. Deshalb lassen sich vorhandene Heizkörper häufig leichter weiterverwenden. Das macht sie gerade bei älteren Gebäuden interessant.
Dafür braucht sie Platz. Pellets müssen trocken gelagert und automatisch zum Kessel transportiert werden. Ein aktuelles Factsheet des Gebäudeforums nennt für ein Haus mit einer Heizlast von 10 Kilowatt beispielhaft einen notwendigen Lagerraum von etwa neun Kubikmetern.
Gerade in der dicht bebauten Altstadt stellen sich deshalb ganz praktische Fragen:
- Wo soll das Pelletlager hin?
- Wie kommt der Lieferwagen an das Haus?
- Kann der bestehende Schornstein genutzt werden?
- Wie hoch sind Wartungs- und Reinigungskosten?
- Was passiert mit der Asche?
Pellets wachsen nicht im Keller. Sie müssen geliefert, gelagert und verbrannt werden.
In der Ariadne-Modellrechnung lagen die jährlichen betriebsgebundenen Kosten für Wartung und Instandhaltung bei der Pelletheizung deutlich höher als bei der Luft-Wasser-Wärmepumpe: 1.554 Euro gegenüber 613 Euro pro Jahr. Brennstoff- beziehungsweise Stromkosten kommen jeweils noch hinzu.
Was würde die Heizungsumstellung für die Altstadt bedeuten?
Rechnen wir rein modellhaft mit 1.500 Gebäuden und durchschnittlich 48.300 bis 53.300 Euro für eine Wärmepumpe mit notwendigen Heizflächenanpassungen, kommen wir auf:
1.500 Gebäude x 48.300 Euro = 72,45 Mio. Euro
bis
1.500 Gebäude x 53.300 Euro = 79,95 Mio. Euro
Allein die dezentralen Wärmepumpen könnten damit modellhaft etwa 72 bis 80 Millionen Euro kosten.
Auch das ist noch keine komplette energetische Sanierung der Häuser. Es ist zunächst die Heizungsanlage mit einem begrenzten Heizflächentausch.
Die Rechnung zeigt dennoch, worüber wir reden:
Die neue Heiztechnik allein kann in der Goslarer Altstadt ein Investitionsvolumen im hohen zweistelligen Millionenbereich auslösen.
Fördermittel können den privaten Eigenanteil senken. Sie lassen die Anlage aber nicht billiger werden. Das Geld kommt dann nur aus einem anderen Portemonnaie.
Im dritten Teil geht es um den schwierigsten Kostenblock: Was muss an den alten Fachwerkhäusern zusätzlich gemacht werden, damit die Wärmepumpen vernünftig arbeiten können?
Quellen und Rechenhinweise
Die Kostenwerte für Wärmepumpe und Pelletheizung stammen aus zwei Ariadne-Untersuchungen mit unterschiedlichen Kostenabgrenzungen. Deshalb werden sie nicht als identische Angebote, sondern als nachvollziehbare Modellwerte dargestellt.
Die Schwelle von höchstens 55 Grad Vorlauftemperatur für ein „Niedertemperatur-ready“-Gebäude stammt vom Umweltbundesamt.
